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10. Feb. 09 | Beitrag von Sibylle

2003 Bolivien, Peru & Bonaire

Peru 2003

Mo, 25.8.03

Natürlich konnte nicht alles glattgehen! Als wir gegen 5.20 Uhr am Flughafen ankamen, wurde uns mitgeteilt, daß die Morgenmaschine nach Amsterdam wegen technischer Probleme gestrichen sei. Na Bravo! Am KLM-Schalter wurden wir kurzerhand umgebucht auf den Lufthansa-Flug über Frankfurt und angeblich soll der Anschluß auch klappen. Wir sind mal sehr gespannt. Insbesondere, ob unsere 65kg Gepäck auch wirklich ankommen. Nur eine Stunde Zeit in A-dam dürfte knapp sein. Aber wir sollten es eigentlich schaffen, den Flug zu erreichen. Nachdem wir jetzt so ziemlich alle heutigen Tageszeitungen durchgepflügt haben und ein kleines Frühstücksbrötchen auf dem Fra-Am-Flug bekommen haben, sind wir ja jetzt fit zum Einchecken bei den „Attensie Asjeblifft“s. Tatsächlich, es hat alles geklappt. Wir sitzen wirklich in der Business-Class! Außer uns befinden sich noch 5 andere Leute hier auf einem Raum, wo in der Economy grob veranschlagt etwa 70 Leute Platz hätten (oder besser keinen Platz haben – hähä). Der Service ist hier wirklich anders: Man hat 6 verschiedene Weine und Champagner zur Auswahl. Das Essen gibt`s von Porzellan, die Getränke aus dem Glas und die Sitze lassen sich fast komplett waagrecht stellen – was will man eigentlich mehr 🙂

Außerdem lief ein äußerst putziger Unterwasser-Comic namens „Finding Nemo“. Nach einem etwa halbstündigen Zwischenstop in Bonaire, bei dem wir uns in der ungemütlichen Wartehalle kurz mit einer Flughafenangestellten über unseren Aufenthalt in drei Wochen unterhielten (sie hatte einige Tips auf Lager – welche Disco am besten ist), flogen wir nochmal 3,5 Stunden bis wir Lima erreichten. Als wir über die Anden flogen, ging gerade die Sonne unter. Wir konnten aber trotzdem noch einen Blick auf die karge Landschaft und die Nebelwolken erhaschen, die sich auf der Westseite dick und grau auftürmten. Am Flughafen in Lima kam unser Gepäck fast als erstes auf dem Laufband an und auch das Aufbewahren unseres Tauchkoffers klappte ohne Probleme; wir bekamen sogar ein bißchen Discount (statt 65,- $ nur 50,- $). Beim Geldabheben bekamen wir im ersten Versuch blöderweise US$ aus dem Automaten. Man muß die Landeswährung erst auswählen…

Da wir auf der Seite der „domestic flights“ aus dem Flughafengebäude herauskamen, hatten wir anscheinend das Glück, ein relativ günstiges Taxi für ca. 15,- $ (=52 S)zu bekommen, das uns in einer halben Stunde nach Miraflores ins Holiday Inn fuhr. Unterwegs fuhren wir ein Stück am Pazifik entlang, der hier auch ganz schöne Wellen hat. Im Hotel tranken wir an der Bar noch ein Absacker-Cusqueña-Bier und gingen dann ins Bett.

Di. 26.8.03

Ganz schön kalt ist es hier! Trotz einer Wolldecke war die Nacht recht kühl (ca. 15° C hat es draußen). Aber die Sache mit dem Time-Lag war scheinbar gar nicht so schlimm. Um halb acht waren wir halbwegs ausgeschlafen und gingen zum  Frühstück, das insbesondere eine tolle Auswahl an frischgepreßten Säften hatte. Dann packten wir unseren Krempel und checkten aus. Die Rucksäcke ließen wir im Hotel. Zuerst baten wir einen Hotelangestellten, uns 100,- S in kleinere Scheine zu wechseln, woraufhin der für einige Minuten verschwand. Er kehrte aber brav zurück und gab uns 100 Soles in kleinen Scheinen. Dann schnappten wir uns vor der Tür ein Taxi weil wir eigentlich zum Goldmuseum wollten. Der Taxifahrer meinte allerdings, daß das noch geschlossen hätte und wir fuhren erst mal ins Zentrum von Lima. Mit dem Taxifahrer machten wir aus, daß er uns in zwei Stunden wieder abholt und uns dann für insgesamt 50,- S ins Goldmuseum fährt. Und dann stürzten wir uns ins Gewühl. Dh. wir guckten uns die Kathedrale an, in der auch die Gebeine des ersten spanischen Eroberers Pizzaro liegen. Danach latschten wir einfach ein bißchen in der Stadt herum und ließen die Atmosphäre auf uns wirken. Insgesamt macht die Stadt einen recht westlich- aufgeschlossenen Eindruck. Die Straßen sind auffällig sauber und die Leute zumeist relativ gepflegt. Es laufen sowohl schnieke Anzugtypen herum wie auch einfache Indígenas mit  traditionellen bunten Wollklamotten. Die Leute sind zwar zumeist klein, aber die meisten sind nicht gerade zierlich und es gibt auch einige recht große, kräftige Leute hier. Wir werden nicht besonders angestarrt oder übermäßig bedrängt, Sachen zu kaufen. es geht ziemlich zu auf den Straßen. Ziemlich viele Schulklassen sind unterwegs. Wir erfuhren später von unserem Taxifahrer, daß am 30.8. ein Fest zu Ehren der Maria Rosales (?) ist und die Kinder deswegen in der Woche vorher in die Kirche gehen. Wir schlappten durch die Fußgängerzone, vorbei am Mercado Central am Parlamentsgebäude vorbei und wieder zurück zum Plaza de Armas. Dort trafen wir wieder unseren Taxifahrer, der uns ins Goldmuseum brachte. Die Stadt war uns nicht unsympathisch aber das Wetter! Es hängt eine dicke Wolkendecke über der Stadt, die nicht einmal irgendeine Struktur hat. Alles ist einheitlich grau. Durch diesen „Deckel“ bildet sich eine äußerst unangenehme Dunstglocke, die als dichter Smog über der Stadt hängt und die dafür sorgt, daß die Luft extrem schlecht ist. Der starke Verkehr mit stinkenden Uralt-Autos tut ein Übriges dazu. Das Goldmuseum liegt ein wenig außerhalb der Innenstadt aber auch dort war die Luft und das Wetter keineswegs anders. Aber im Museum kriegt man davon ja nicht viel mit. Die ausgestellten Goldmasken und der Schmuck waren zwar ganz nett, aber obwohl da ganz tolle Stücke dabeisein mögen, war die
Präsentation der Sammlung so miserabel, daß das Museum (insbesondere für einen Eintrittspreis von 30 S) ziemlich für die Füße war. Wir schnappten uns also wieder ein Taxi und fuhren in einem uralten VW (der Fahrer behauptete, das Ding sei 40 Jahre alt) zum „Museo de la Nation“, von dem wir hofften, daß es etwas besser aufgemacht wäre. Der Eintritt kostete erfreulich wenig (12,- S für beide) und wir stärkten uns erstmal im Restaurant mit einem thé und einer Inkakola (beides gar nicht mal so gut). Dann schauten wir uns die Ausstellung an, die mit ganz schön viel Info recht schön Aufschluß über die Geschichte Perus vor den Spaniern -also von den Anfängen bis zu den Inkas- gibt. Nach diesem Museum reichte es aber für heute mit der Kultur und wir ließen uns für 10,- S zum Plaza Central de Miraflores fahren. Dort suchten wir das im Reiseführer erwähnte Caffe Café. Auf der Suche sprach uns ein „Lehrer“ von der hiesigen Universität an und quatschte ein bißchen auf deutsch mit uns. So fanden wir auch das Caffe Café, wo wir „das“ peruanische Nationalgetränk probierten und für sehr gut befanden. Es handelt sich um „Pisco Sour“ und ist ein Traubenschnaps mit Limonensaft und Eiweiß gemixt und es schmeckt richtig klasse. Wir blieben in dem Caffe eine Weile sitzen, futterten nebenbei noch eine „Ceviche“ und einen Tintenfisch und gönnten uns anschließend noch einen Pisco Sour und einen Espresso. Bei der Rechnung war zwar die Ceviche um die Hälfte teurer, als auf der Karte und der Pisco Sour war kein Happy-Hour-Getränk wie angekündigt, aber die 100,- S taten nicht übermäßig weh, weil der Aufenthalt an sich ganz schön war. Anschließend wurde es auch schon wieder Zeit, ins Hotel zu gehen, unsere Sachen zu packen und uns zum Flughafen fahren zu lassen. Wir fuhren wieder etwa eine halbe Stunde für 50,- S durch die Stadt. Auch nicht in der Innen stadt scheint Lima relativ gepflegt zu sein, aber das Wetter würde mich auf Dauer echt frustrieren. Die graue Suppe hängt den ganzen Tag am Himmel und das soll laut Reiseführer 5 Monate im Jahr so sein!

Am Flughafen angekommen checkten wir problemlos bei Taca ein, bezahlten die Ausreisegebühr von 28,- $ und guckten uns ein bißchen in den Läden um. Der Duty Free ist ganz gut bestückt und Bernd kaufte eine Stange Luckys für 12,- $. Bald darauf begann auch schon das Boarding und wir stiegen in einen recht neuen Airbus 319 der Taca-Airline und flogen in 1,40 Std nach La Paz. Economy ist nicht gerade das Gelbe vom Ei aber für 2 Std ist es auch keinerlei Problem 🙂
Diese Höhe hat schon was. Als wir am Einreiseschalter anstanden, wurde uns schon ein bißchen schummrig. Trotzdem war es kein Problem, die Taxifahrt nach La Paz hinunter zu organisieren. Hier lief alles etwas entspannter ab, als in Lima. Der Taxifahrer brachte uns für 8,- $ ins etwa 300 Höhenmeter tiefer gelegene Zentrum von La Paz. Wir checkten im wirklich sehr schönen Hotel Presidente im 13. Stock ein und bekamen zwei Kännchen Coca-Tee aufs Zimmer gebracht, die bei Bernd auch ganz gut wirkten. Weil aber gerade Bernd ganz schöne Probleme mit Kopfschmerzen und Unwohlsein hatte, gingen wir dann gleich ins Bett.

Mi. 27.8.03

Die Nacht verlief relativ unruhig und zumindest für Bernd recht unangenehm. Irgendwie scheine ich auf der Höhe robuster zu sein. Als wir gegen 9 Uhr so langsam aufstanden, war der Nebel, der noch um 7 Uhr über dem Nest hing, fast völlig verschwunden. Das Hotel liegt ziemlich genau am Hauptplatz und wir haben von unserem Fenster aus einen tollen Blick auf ebendiesen Hauptplatz und auf der anderen Seite auf den 6800m hohen Illimani.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf zu einen kleinen Stadtrundgang. Die Höhe machte das Ganze ziemlich anstrengend, aber das Wetter ist schön, die Sonne lacht und es ist gar nicht mal so kalt. Die Stadt ist äußerst lebhaft und in den Straßen ist eine bunte Mischung aus Anzugträgern und dick berockten Indígena-Frauen unterwegs. Einige Bettler sprechen uns auch an und ein paar Leute wollen auch Sachen verkaufen, aber nicht allzu aufdringlich. Am Plaza Murillo, benannt nach einem gegen die Spanier Aufständischen, der hier sein Leben ließ, setzten wir uns auf ein paar Steinstufen und beobachteten das Treiben. Allerdings wurden wir so selbst zum beobachteten Ziel. Es waren einige Schulklassen auf dem Platz unterwegs, die irgendwelche Umfragen machten und mein Spanisch ist blöderweise immer noch zu schlecht, um solche Kinder-Umfragen zu beantworten. Nach der dritten Gruppe kleiner Interviewer nahmen wir die Beine in die Hand und setzten den Stadtbummel fort. Wir schlappten durch einen nur zur Hälfte geöffneten Lebensmittel-Markt und entdeckten plötzlich den tollen Blick auf den schneebedeckten Berg, der sich im Süden auf fast 7000m erhebt. Wir latschten noch weiter in der Stadt umher, eigentlich auf der Suche nach dem Coca-Museum, das wir aber nicht fanden. Stattdessen fanden wir den „Hexenmarkt“ auf dem es getrocknete Lama-Babys, div. Kräuter und leider auch Ozelot-Felle zu kaufen gibt. Wir kauften allerdings nur einen hübschen bunten „Känguruh-Beutel“ (ohne zu handeln für vermutlich viel zu teure 30,- BS) und tranken in einem sehr hübsch eingerichteten Café einen Coca-Tee aus frischen Coca-Blättern. Da wir das Coca-Museum noch immer nicht gefunden hatten, gingen wir wieder zurück ins Hotel, um einen kleinen Nachmittags-Schlaf zu halten. Besonders Bernd war ziemlich ko – er hatte ja auch die Nacht nur wenig geschlafen; aber auch ich war nicht böse über eine Pause nach dem doch ganz schön langen Stadtrundgang. Wir hatten schließlich alles gesehen, was im Reiseführer beschrieben war und darüberhinaus wandte ich erfolgreich in einer Bank meine Spanischkenntnisse an und wechselte 200 so Bolivares in kleine Scheine. Das reicht auch erst mal für einen halben Tag und jetzt gibt es ein kleines Nickerchen (wenn die Hotelangestellten nicht alle Nase lang fragen, ob wir was brauchen J)

Einigermassen ausgeschlafen und vor allem mit einem Bärenhunger im Bauch machten wir uns gegen halb sechs auf, um zuerst eine Art Supermarkt zu finden, wo wir Wasser kaufen könnten. Sowas scheint es hier aber nicht zu geben und wir beschlossen, unser Wasser auf dem Heimweg bei so einer Indígena-Mami zu kaufen, die überall am Straßenrand sitzen. Auf der Suche nach dem Supermarkt fanden wir allerdings doch noch das Coca-Museum. Es versteckt sich in einem Hinterhof ungefähr da, wo auch das Café vom Nachmittag war. Da das Museum noch fast eine Stunde geöffnet hatte und Abendessenszeit hier wohl erst um 20 Uhr losgeht, besichtigten wir das Coca-Museum. Man bekommt einen dicken Wälzer in die Hand, der einem auf Deutsch die ganzen Tafelanschriften, die in dem Museum aufgebaut sind, erklärt. Das Ganze war schon ziemlich interessant, wenn auch ein wenig einseitig. Es wurde dargestellt, daß die Andenvölker seit Jahrtausenden Coca-Blätter kauen und die Inkas unter dem Einfluß von Coca sogar Hirnoperationen durchführten und dann kam die westliche (naja von hier aus gesehen eher die östliche) Welt und machte Coca zur Droge Kokain, beutete Sklaven aus, die unter Coca-Einfluß länger arbeiten konnten und verboten schließlich den Coca-Genuß. Unbestritten ist, daß Kokain eine ziemlich üble Droge ist und dieses Museum ist aus einer Anti-Drogen-Kampagne hervorgegangen und möchte gleichzeitig zeigen, daß Coca-Blätter kauen eher positive Wirkungen hat. Zur Demonstration kann man das auch selber ausprobieren. Man braucht, damit das Coca freigesetzt wird, eine Art Katalysator: Asche oder Natriumcarbonat. Neugierig wie ich bin, musste ich das natürlich ausprobieren. Abgesehen davon, daß das Zeug scheußlich schmeckt, und meine Zunge taub wurde, passierte aber nix. Nach dieser Erfahrung suchten wir uns ein Restaurant, das laut Reiseführer auch Lama-Fleisch auf der Karte hat. Es war ein recht gepflegter Schuppen und sie hatten sogar wirklich Lama, was allerdings ein bisschen zäh schmeckte, aber an sich ganz gut. Als gegen 20 Uhr die Bühne für offenbar eine „Folklore-Show“ hergerichtet wurde, ergriffen wir die Flucht und zahlten schnell, zumal wir bis dahin die einzigen Gäste gewesen waren und im schlimmsten Fall im Mittelpunkt der Darbietung gestanden hätten. Wir waren auch ordentlich bettschwer und gingen direkt ins Hotel zum Schlafen.

Do. 28.8.

Diese Nacht war wesentlich angenehmer als die vorhergehende, wenn auch die Jungs auf der Straße lauthals hupen und irgendwelche Partys auf der Plaza feiern!

Wir schlappten guten Mutes und ohne allzu heftige Kopfschmerzen zum Frühstück und fragten dann an der Rezeption, wo denn die Busse nach Tiwanaku abfahren. Auf keinem unserer Stadtpläne war dieser Busbahnhof „beim Cementerio“ eingezeichnet. Er soll auf halber Strecke zum Flughafen liegen und ein Taxifahrer, der direkt vorm Hotel stand, brachte uns hin. Nicht ohne uns einen Special Price von zunächst 30,- US$ anzubieten, um uns selbst nach Tiwanaku zu bringen. Es war nicht ganz einfach, ihn davon zu überzeugen, daß wir es lieber „mas auténtico“ haben wollen, aber schließlich ließ er uns doch gehen. Kaum standen wir auf der Straße, saßen wir auch schon in einem Kleinbus, der nach Tiwanaku fahren sollte – zumindest verkündete das eine junge Indígena mit Kind auf dem Arm lauthals auf der ganzen Straße. Wir bezahlten unseren Fahrpreis von 7,- Bs pro Person (ca. 1 US$) und setzten uns ganz nach hinten. Der Bus war nach bolivianischen Maßstäben etwa halb voll als wir losfuhren. Wir saßen zu zehnt darin und fuhren über eine steile Straße durch die Stadt nach El Alto, dem höhergelegenen Stadtteil. Wir konnten immer wieder Blicke auf diese beeindruckende Stadt erhaschen. Offenbar hat sich die ursprünglich in einen Talkessel gebaute Stadt explosionsartig ausgedehnt, so daß jetzt überall an den steilen Hängen sich die Häuser hinaufziehen. Im Hintergrund der Illimani – ein Toller Anblick.

In El Alto quälte sich der Bus durch diverse Nebenstraßen, teilweise Schotterpisten, mit Löchern und Pfützen bis zu einer Ausfallstraße, wo durch lautes Rufen der Bus dann auch schön voll wurde: 19 Personen (2 davon Kleinkinder) finden in einem Kleinbus schon Platz! So beladen tuckerten wir über eine wunderschöne Hochebene. Eine traumhafte Landschaft! Im Hintergrund sieht man die schneebedeckten Kordilleren und im Vordergrund kilometerlange weite, braune Steppe und das Ganze auf 4000m Höhe! Nach etwa 1,5 Std. Fahrt kamen wir an den Ruinen von Tiwanaku an. Wir kauften unser Eintrittsticket und sahen uns zunächst das kleine Museum an, in dem einige der verzierten Statuen aus den Ausgrabungen rumstanden. Dann stärkten wir uns in einer Snackbude mit einem Mate de Coca und ließen somit auch den Schulklassen den Vortritt, die mal wieder unterwegs waren. Dann begannen wir die Besichtigung – allerdings nicht ohne uns an den davor aufgebauten Ständen ein Wasser und für Bernd eine Strickmütze gekauft zu haben.

Die ausgegrabenen Trümmer an sich waren nicht so sehr beeindruckend – viel spannender war die Landschaft aussenrum und die Vorstellung, wie groß die Stätte einmal gewesen sein muß. Es heißt, es sei die bedeutendste Stadt in präkolumbianischer Zeit gewesen, von der aus ein extrem großer Einfluß ausging und die insbesondere von der Baukunst her ausgesprochen weit entwickelt war – und das alles, ohne das Rad zu kennen. Die Jungs haben damals (zwischen 10vor und 1000 nach Chr.) Steine behauen, die eigentlich nur mit heutigen Maschinen zu bearbeiten sind und das noch dazu so exakt, daß die Mauern ohne Mörtel wie Puzzle-Teile zusammenhielten.

Nach dem Rundgang gönnten wir uns in der Snackbar noch ein gegrilltes Lama, was besser war als das gestern abend und dann schlappten wir ins Dorf, weil dort die Minibusse starten und wir uns erhofften, daß wir einen guten Platz bekämen. Der Platz – ganz vorne diesmal – war an sich ganz gut, aber unterwegs wurde der Bus wieder zum Bersten vollgestopft, so daß es wieder äußerst ungemütlich wurde. Aber nach 1,5 Std. Fahrt waren wir auch wieder beim Friedhof und erwischten auch zufällig ein Taxi, das gerade jemanden ausgeladen hatte. Der Taxifahrer fuhr uns für 10,- Bs (scheint ein Einheitspreis zu sein) zum Platz und wir liefen die paar Meter bis ins Hotel und hauten uns für zwei Stunden aufs Ohr. Gegen 19 Uhr holten wir uns unseren Begrüßungsdrink in der Sky-Bar, die einen tollen Blick auf La Paz bietet und wunderten uns über die Menschenmassen, die auf dem Plaza San Franzisco unterwegs waren. Es stellte sich heraus, daß eine Riesen-Demonstration, die scheinbar anti-amerikanisch war, im Gange war. Wir verpißten uns möglichst schnell vom Ort des Geschehens – nicht, daß uns noch jemand für Amerikaner hält – und gingen in das Restaurant, das wir neben dem Coca-Museum gesehen hatten. Es war ein richtiger Touri-Treff. Außer uns waren nur andere Touris drin, die zum Teil lauthals verkündeten, daß sie schon drei Monate unterwegs seine, blabla. Solche Leute hab ich gefressen, besonders wenn sie scheinbar unabsichtlich einen ganzen Raum in ihr Gespräch miteinbeziehen. Trotzdem war das Essen ganz gut und vor allem deutlich billiger als gestern. Anschließen gingen wir aber wieder gleich ins Bettele. Man ist auf dieser Höhe bereits um 9 Uhr echt bettschwer!

Fr. 29.8.

Wir standen etwas früher auf als sonst und die Sonne lachte ins Fenster. Das war bisher das schönste Morgenwetter. Naja, dafür, daß es gestern auf der Heimfahrt von Tiwanaku sogar geschneit (!) hat, ist das wirklich ein Lichtblick. Wir frühstückten unser letztes gepflegtes Frühstück, packten unseren Kram zusammen und machten uns mit einem recht netten Taxifahrer auf den Weg zum Cementerio. Mit Hilfe des Taxifahrers (zumindest glaubten wir das) bekamen wir auch einen recht günstigen Preis von 15,- (ca. 2,- €) nach Copacabana in einem Minibus. Weil der Fahrer unsere Rucksäcke aufs Dach packen wollte, handelte Bernd aus, dass wir die Dinger mit nach innen nehmen könnten und dafür eine weitere Person bezahlen. Damit war der Fahrer zufrieden und los ging die Fahrt (diesmal nur 19 im Bus, davon 2 Säuglinge). Wir fuhren wieder durch die atemberaubende Landschaft des Altiplano und nach etwa 2 Stunden erreichten wir den Titicacasee und setzten an dessen schmalster Stelle mit einer „Autofähre“ und einer „Personenfähre“ über. Danach gings nochmal etwa eine Stunde über die Halbinsel und durch spektakuläre Berglandschaft (hier liegt sogar noch ein bißchen Schnee) bis nach Copacabana. Dort waren wir jetzt auf uns alleine gestellt. Wir schnallten die Rucksäcke um und schlappten ins nächstbeste Restaurant, wo wir erst mal zwei Forellen verdrückten. Echt prima, die haben hier so eine Art Lachsforellen in verschiedenen Zubereitungsarten. Danach gingen wir zum Hafen, wo wir leider erfuhren, daß die letzte öffentliche Fähre vor 10 Minuten abgelegt hatte – Mist. Planänderung: wir bleiben doch in Copacabana. Kurzerhand entschieden wir uns für das nächstbeste Hostel, was immerhin ein ungeheiztes Zimmer mit eigenem Bad hatte. Die Dusche könnte sogar warm sein, den Drähten nach zu schließen, die da blank aus der Wand kommen. Naja – irgendwann müssen wir ja runter vom 5 Sterne Trip! Erst mal war Zeit für ein Bier! Wir hatten nämlich beide heute schon den ganzen Tag keine Kopfschmerzen. Das muß gefeiert werden“! Das Bier gibt es hier in 750ml Abmessung und da ich gleich zwei bestellt hatte, gulpten wir auch jeder unsere Flasche „La Paz Bolivian Cerveza“ ordentlich weg. Dann packten wir einen kleinen Rucksack, die Stecken, ein bißchen Wasser und auf ging`s zum Stadtrundgang mit Kreuzigungsweg. Zuerst guckten wir uns die anscheinend recht bedeutende Wallfahrtskirche an. Davor war ein Priester zugange, Autos mit Weihwasser zu segnen und innen war eine kleine Kapelle im ersten Stock um eine Madonna-Figur gebaut, die angeblich als „schwarze Madonna“ vom Vatikan heiliggesprochen war – schwarz waren an der Figur allerdings nur die Haare. Auch in einem katakombenartigen Gang –echt gut für Splatter-Filme, weil ganz schwarz und voller Wachs- war am Ende eine Madonna aufgebaut, vor der einige Leute Kerzen angezündet hatten und Gebete murmelten. Dieser ganzen Religiösität noch nicht ganz überdrüssig, machten wir uns daran, uns einen Kreuzigungsweg mit 14 Stationen auf einen ziemlich steilen Hügel hinaufzuquälen. Das war ganz schön anstrengend, angesichts der Höhe von am Ziel bestimmt über 4000m (Ausgangspunkt lag auf 3800m und wir stiegen etwa eine halbe Stunde langsam aber steil bergan). Oben wurden wir belohnt mit einer tollen Aussicht über den Titicacasee, Copacabana und die Isla del Sol, auf die wir morgen wollen. Aber das schönste war die warme Sonne, die uns so richtig einheizte. Im Schatten war es nämlich inzwischen empfindlich kalt geworden. Bevor die Sonne unterging, verließen wir den Platz, an dem anscheinend einmal im Jahr eine große Fete stattfindet und wo auch jetzt einige Indígenas zwischen den Heiligenstatuen saßen und Getränke verkauften.

Wieder unten, setzten wir uns in eine Hafenkneipe und genossen die letzten Sonnenstrahlen bis zum Sonnenuntergang bei ein paar Coca-Tee und einem Bier. Kaum war die Sonne weg, wurde es so richtig arschkalt! Das kann ja eine lustige Nacht werden. Wir gingen erst mal ins Zimmer und holten uns ein paar warme Klamotten. Dann schlugen wir uns lediglich über die Straße in eine geheizte Kneipe, wo wir eine sehr gute Suppe und eine gefüllte Forelle verdrückten, bevor wir uns selber ins Bettele verdrückten. Bernd wollte in dieser Nacht seinen Schlafsack ausprobieren, was wohl auch eine recht gute Idee war: Ich fror nämlich unter der Decke, die eigentlich für zwei gedacht war ganz schön, während er selig rüsselte.

Sa. 30.8.

Und so war ich gar nicht so sehr böse, daß um sieben die Nacht schon wieder (Naja, immerhin nach 10 Stunden Schlaf) vorbei war und wir uns dringend warme Windeln anziehen mußten. Brrr – ist das saukalt! Und das an Bernds Geburtstag!

Wir marschierten durch das noch verschlafene Nest und fixten – mit meinen rudimentären Spanischkenntnissen- erfolgreich die Überfahrt auf die „Sonneninsel“. Wir entschieden uns, in den Norden zu fahren, weil dort die Hotels am Strand sein sollten und nicht wie in Yumani erst mal eine steile Treppe überwunden werden muß. Und so sitzen wir jetzt auf dem Dach eines ziemlich lahmarschigen Motorboots, zusammen mit noch ca. 20 Individualisten und tuckern gen Isla del Sol. Irgendwie ist das hier ein seltsames Publikum: der größte Teil sind irgendwelche Studies, auffallend viele Franzosen sind unterwegs und noch ein paar ältere Semester. In unserem Alter sieht man kaum jemand. Nach dem dritten Halt kamen wir im Norden der Insel an und stiegen aus. Kaum hatten wir den Fuß an Land gesetzt, kam eine Frau auf uns zu und fragte, ob wir eine habitacion bräuchten. Wir sagten zwar, daß wir ein baño privado haben wollten, aber sie meinte, das wir ihre Hütte für 15,- Bs erst mal anschauen sollten. Gesagt, getan, wir sahen uns ihr recht neu gebautes Haus mitten in einem Bauernhof an und stellten fest, daß es sehr schön sei, aber wir halt doch lieber ein eigenes Bad wollten. Daraufhin brachte uns die Frau zu einer anderen Hütte, wo uns ein Typ ein großes Zimmer mit drei Betten und eigenem Bad für 25,- Bs/Person vermietete. Er mußte es nur noch fertigmachen und so ließen wir die Rucksäcke in einem anderen Zimmer stehen und latschten los, um einen auf Kultur zu machen. Dh. zuerst mal setzten wir uns in eine einfache Kneipe und frühstückten ein feines Frühstück mit Obst, frischem Saft und Eiern. Dann waren wir auch schon antizyklisch unterwegs und schlappten den breiten Weg Richtung Ruinas entlang. Die meisten Leute, die mit auf dem Schiff gewesen waren, kamen uns entgegen und so hatten wir die Ruinas einer alten Inka-Siedlung fast ganz für uns alleine. Das Teil besteht zum größten Teil aus einfachen, kleinen Räumen mit Durchgängen überall und schaut nicht übermäßig spannend aus. Viel interessanter ist wieder mal die Landschaft drumherum. Aus dem See ragen einige kleinere Inseln und zwischen dreien von denen ist eine weitere, bebaute, wohl vor längerer Zeit untergegangen. Für einen Tauchgang ist der See allerdings viel zu kalt. Auf dem Rückweg machten wir einen kleinen Abstecher auf einen Hügel unterwegs und schauten uns dann noch die Überreste des Sonnentempels und einen heiligen Felsen an. Nach ca. 2,5 Std. waren wir wieder zurück im Kaff und brachten unsere Rucksäcke ins richtige Zimmer. Den Rest des Tages vergammelten wir gnadenlos mit Lesen, Dösen und noch ein bißchen im Nest rumlatschen. Das Dorf ist echt noch äußerst „tümlich“. Überall laufen Viecher frei herum: Kühe, Schweine, Esel, Schafe, Hühner und ein paar Katzen. Die „Ställe“ bestehen aus aufgeschichteten Steinen, in denen jedes Viech seinen Platz hat. Diese halbhohen Koben sind zum Teil auch mit Sonnenschutz ausgestattet und verteilen sich über den ganzen Strand. Am Abend gegen 18 Uhr legte ein riesiger Katamaran an der Mole an und spuckte einen Haufen Touris aus, die von den Dorfbewohnern mit Blumengirlanden empfangen wurden, eine Folkloreshow präsentiert bekamen und dann gesammelt ins Museum geschleust wurden. Ziemlich abartig! Wir schauten uns das Treiben aus einiger Entfernung an und genossen den Blick auf die in der Abenddämmerung so richtig ultra-kitschig rot schimmernden Kordilleren. In diese Stimmung passte auch, daß die Dorfbewohner an uns vorbei ihre Viecher von den Weiden holten. Es war sehr lustig anzuschauen, wie meistens zwei bis drei Kinder eine bunt zusammengewürfelte Herde aus Schafen, Schweinen, Kühen und Eseln vor sich hertrieben. Während noch die Show für die Idioten-Touris lief, gingen wir in ein Restaurant, das unten eher an eine Baustelle erinnerte, aber oben im zweiten Stock einen hübschen Raum hatte, wo wir ein gutes und viel zu reichliches Menü mit Suppe und Forelle bzw. Pejerrey bekamen und das für insgesamt 53,- Bs (ca. 13,- DM). Dieses Pura Wayra war echt nicht schlecht. Danach gingen wir allerdings gleich ins Bettele – 4000m machen immer noch müde. Das Zimmer war bei weitem nicht so kalt wie der Kühlschrank in Copacabana. Offenbar hatte sich das Zimmer auf dem Dach so aufgeheizt, daß es die halbe Nacht reichte. Die Nacht war auch, abgesehen von ein paar Eselsschreien, Hahnenkrähen und einem völlig idiotischen Feuerwerksgeknalle für die Idiotentouris ausgesprochen ruhig und wir knackten über 12 Stunden.

So, 31.8.2003

Ziemlich gut ausgeschlafen testeten wir die Dusche, die ein ähnliches Konstrukt war wie die in Copacabana (wo wir uns ob der Kälte nicht getraut hatten, sie auszuprobieren). Tatsächlich kam warmes Wasser aus dem Plastikteil, wenn man die Sicherung, die direkt neben dem Hahn angebracht war (!) einschaltete. Wir duschten also (das erste Mal seit La Paz) und packten dann gemütlich unser Zeug zusammen. Dann verstauten wir die Rucksäcke wieder in dem leeren Zimmer und gingen wieder in die gleiche Kneipe frühstücken wie gestern.

Dann besichtigten wir noch kurz das Museum, in dem Fundstücke aus der versunkenen Insel ausgestellt waren. Insbesondere Steinschatullen, die ihren Inhalt so gut konserviert hatten, daß die Goldteilchen und andere Schmuckstücke völlig trocken und unversehrt geblieben waren, obwohl sie wohl eine ganze Weile auf dem Grund des Sees gelegen hatten. Bis zur Abfahrt des Schiffs vertrieben wir uns die Zeit mit noch zwei Coca-Tees, ein bißchen auf- und abgehen und dann setzten wir uns schon mal auf das Dach und warteten auf die Abfahrt. Das Boot war deutlich leerer als auf der Hinfahrt – mal sehen, was im Süden noch zusteigt… Außerdem war es jetzt um 13 Uhr viel wärmer. Die Sonne, die uns übrigens gestern ganz schön erwischt hat, brennt wieder sehr warm vom Himmel. Irgendwie kann man sehr gut nachvollziehen, daß hier ein solcher Kult um die Sonne gemacht wird. Ohne die kann man hier oben nicht gut leben. Auch der Mond- und Sternekult ist gut zu verstehen, wenn man einmal den Sternenhimmel in 3800m Höhe ohne störende Lichter gesehen hat! Unglaublich, wie viele Sterne man da sieht! Noch nie haben wir die Milchstraße so deutlich über en ganzen Himmel gesehen – wunderschön! Überhaupt ist der Himmel hier ziemlich eigenartig: Heute und auch gestern sind richtige Bilderbuch-Wolkenformationen zu sehen und am Horizont wieder die Kordilleren und wir sind auf dem Weg zur Mondinsel – was will man eigentlich mehr!

Die Fahrt zur Mondinsel dauerte fast eine Stunde. Der Blick auf die Kordilleren war zwar sehr schön aber wirklich rentiert hat sich der Abstecher m.E. nicht. Allerdings sahen wir die erste wirkliche Inkamauer im dortigen Mondtempel. Ansonsten waren ein paar Überreste eines Tempels da, der große Ähnlichkeit mit orientalischer Bauweise hat. Anschließend ging es wieder eine Stunde zurück zum Südende der Sonneninsel. Dort hielten wir an einer historischen Inkatreppe, die zu einer Quelle führte und auch danach noch eine steile, anstrengende Fortsetzung hatte. Wir kraxelten fast eine halbe Stunde bergauf, nur um oben festzustellen, daß wir offenbar den Fuzzi auf dem Schiff falsch verstanden hatten. Er hatte was von Palast gefaselt aber der kam erst später! Naja, unter sportlichem Aspekt war es ganz ok. Anschließend ging es tatsächlich noch nach Pilkokaina und dem dortigen Palastrest, der ebenfalls nicht sonderlich authentisch aussah. Anschließend ging es in „rasanter Fahrt“ (also wieder genauso lahmarschig, wie auf dem Hinweg) zurück nach Copacabana mit einer sehr internationalen Mischung an Leuten an Bord. Nach kalten 1,5 Std. Bootsfahrt kamen wir gegen 18 Uhr in Copacabana an. Wir hatten uns nach Reiseführer für ein Hotel mit Warmwasser entschieden und tappten also dorthin. Sie hatten zwar ein Zimmer frei aber wir erfuhren, daß im ganzen Dorf der Strom ausgefallen war. Trotzdem mieteten wir uns für 100,- BS (ca. 25,- DM) in der Hütte ein – immerhin haben sie dort, wenn der Strom wieder da sein sollte, warme Duschen. Bis es soweit war, ging jedoch nicht einmal das Wasser (ist wohl eine elektrische Pumpe). Naja, was soll‘s. Zunächst mussten wir uns ohnehin um die Weiterfahrt kümmern und kauften in einer „Reiseagentur“ für 25,- Bs/Person einen lumpig aussehenden Zettel, der angeblich ein Ticket für 2 nach Puno darstellen sollte. Dann gingen wir los und suchten uns eine Kneipe mit einem gemütlich flackernden Holzfeuer und dinierten bei Kerzenschein. Und da wir wieder einmal recht früh da waren, gingen wir auch bald ins Hotel zurück. Dort waren die Leute sehr bemüht und verfrachteten uns in ein anderes Zimmer, in dem wenigstens das Wasser ging, weil es wohl mit von dem Generator abhing, der direkt vor unserem Fenster ratterte. Licht war allerdings auch in diesem Zimmer keines, so daß wir im Kerzenschein uns bettfertig machten und dann auch bald schliefen.

Mo. 1.9.2003

Am Morgen ging immer noch kein Strom. ‚Aber wir gingen erst mal zum Frühstück, welches gar nicht mal so schlecht war (obwohl im Preis inbegriffen). Während wir noch unseren Kaffee tranken, verkündete einer der Angestellten freudestrahlend, daß das Wasser und Licht wieder geht! Na prima – aber trotzdem duschten wir nicht mehr, sondern deponierten unsere Rucksäcke in einem leeren Zimmer und gingen dann noch Einkäufe machen. Der Versuch, eine Hose für mich zu kaufen, schlug fehl – die haben hier ganz komische Schnitte, drum tragen die Mädels wohl auch alle Röcke. Aber wir erstanden für 130,- Bs (ca. 35,- DM) eine ganze Tüte voller Pullis (genauer gesagt 2 x Alpaka) und Handschuhe und eine Mütze. In einem anderen Laden bekamen wir noch eine Mütze und ein großes buntes Tischtuch für 60,- Bs (ca. 15,- DM). Dann hatte Bernd genug vom Einkaufen und wir setzten uns in die Kneipe, in der wir schon am ersten Tag so gute Forellen bekommen hatten und tranken dort einen Tee. Bernd futterte einen Pfannkuchen mit Früchten, der blöderweise nur mit Bananen und Papaya belegt war. Dann besorgten wir uns noch Wasser, Cola, Nüsse und Popcorn als Wegration für die Fahrt und schon war es soweit, daß der Bus beladen wurde. Wir staunten, dass unser lumpiger Zettel tatsächlich als Ticket anerkannt wurde. Wir wurden in einen recht modernen Reisebus verfrachtet, in dem außer uns noch ca. 20 andere Touris saßen und fuhren ziemlich bequem zur Grenze, die keine halbe Stunde von Copacabana entfernt ist. Dort mußten wir zu Fuß erst mal aus Bolivien „emigrieren“ um dann in Peru zu „immigrieren“ (mein Paß mit den vielen Stempeln brachte die Beamten dazu, ziemlich lange darin zu blättern und dann irgendwas von „mucho“ zu faseln). An dieser Grenze tauschten wir noch unsere übriggebliebenen Bolivianos in Soles um (der „Verlust“ betrug bei 100,- € etwa 5,- €, hielt sich also im Rahmen).

Dann ging’s weiter durch faszinierende Landschaft: Diese Hochebene mit dem See ist schon echt beeindruckend. Je näher wir nach Puno kamen, desto öfter sah man auch Schilf, das zum Trocknen auslag. Nach knapp 3 Std. waren wir auch schon angekommen und die Hotel-Empfehlung, die der „Reiseleiter“, der sich übrigens insgesamt äußerst bemüht hatte, Einreisepapiere verteilt hatte und uns genaueste Infos gegeben hatte, klang ganz gut. Es handelte sich um eines der Hotels, das wir uns ohnehin ausgesucht hatten und so ließen wir uns zusammen mit nochmal ca. 10 Leuten ins Manco Capac fahren und checkten in einem ganz ordentlichen Zimmer mit Warmwasser ein. Wir schlichteten kurz unser Zeug um und machten uns auf zum Bahnhof, um ein Ticket nach Cuzco zu erstehen. Als wir den Preis erfuhren, traf uns fast der Schlag! Inzwischen gibt es nur noch 2 Klassen und nicht mehr 3-5 und die teure (ehemals Inka-Klasse, laut Reiseführer max. 33,- US$) kostet jetzt 83,- US$ pro Person! Trotzdem entschieden wir uns, uns diesen Luxus zu gönnen und kauften 2 Tickets für Mittwoch nach Cuzco. Dann schlappten wir in die Stadt, guckten uns die Läden an und versuchten in 3 verschiedenen Farmacias Nasenspray zu bekommen – vergeblich. Aber einen hübschen bunten Rucksack für 20,- S/. (ca. 5,- €) fanden wir. Und nachdem wir uns die beiden hiesigen Kirchen auch noch angeguckt hatten, setzen wir uns in eine Bar und gönnten uns je 2 Pisco Sour – das Gesöff ist echt klasse! Bernd erstand bei einem Straßenhändler zu horrendem Preis von 10,- S/. (ca. 2,50 €) sogar die langgesuchten Zigaretten namens Inca, die aber gar nicht so berauschend waren. Danach suchten wir ein Restaurant, das laut Reiseführer „Ceviche de Trucha“ haben sollte. Das Restaurant Don Pedro fanden wir auch aber auf der Karte stand nichts von Ceviche. Aber einmal kurz nachgefragt, meinte der Kellner, daß sie das selbstverständlich machen würden. Wir bestellten also einmal Ceviche als Vorspeise und zweimal Lama hinterher (einmal davon als halbe Portion, was auch kein großes Problem darstellte – die Leute waren wirklich ziemlich bemüht). Die Ceviche war ganz frisch zubereitet und wirklich gut; nur hatte es der Koch mit den grünen Pfefferschoten etwas zu gut gemeint – es war äußerst „picante“. Das Lama dafür war relativ zäh und langweilig aber auch ganz ok. Die Geschmacksnerven waren nach der Ceviche eh nicht mehr ganz zuverlässig. Zum Essen spielte eine Gruppe Jungs, die zum Teil einem Jim Jarmusch- Film entsprungen schienen, lauthals peruanische Musik auf, woraufhin wir bald die Beine unter den Arm nahmen und uns Richtung Bettele verdrückten.

Di. 2.9.2003

Auch hier war es wieder ganz schön kalt in der Nacht, aber das größere Problem war, daß Bernd die Ceviche nicht so gut bekommen war und er daher die halbe Nacht auf dem Klo verbracht hatte. Ich merkte allerdings gar nix, deshalb glauben wir, daß nicht der Fisch schlecht war, sondern Bernd empfindlich auf die Schärfe reagierte. Trotzdem standen wir kurz nach neun auf und schickten uns an, ein Frühstückslokal zu suchen, nicht ohne vorher die warme –fast heiße- Dusche auszuprobieren – herrlich! Die Frühstückskneipe suchten wir nicht lange, sondern nahmen gleich die Pizzeria nebenan und Bernd versuchte, seinen Magen mit Coca-Tee und trocken Brot zu beruhigen. Das gelang auch halbwegs und so konnten wir uns langsam auf die Socken machen und zum Hafen gehen. Dort kauften wir uns in einer Boleteria ein Ticket für je 10,- S/. um auf die Uro-Inseln zu fahren. Das uns zugewiesene Boot war jedoch noch ganz leer und so mußten wir noch warten, bis weitere 4 zahlende Fahrgäste kommen würden. Nach ca. einer dreiviertel Stunde kamen immerhin 2 Leute, die sich verliebt ihre Hochzeitsfotos anguckten. Das kann ja noch dauern. Kaum wartet man eine Stunde, kommt auch schon ein Minibus voller Touris. Das Boot wurde vollgeschlichtet mit einem ganzen Haufen irgendwelcher Südamerikaner (Peruaner, Chilenen, o.ä.) und nachdem die sich alle gegenseitig fotografiert hatten, ging es los. Wir fuhren durch eine breite Furt in den Schilfgürtel, der anscheinend ganz Puno umgibt und landeten an einer Schilfinsel. Das Ding war etwa 200 m² groß und besteht ganz aus Schilf! Es standen ca. 6-7 Häuschen darauf, ebenfalls aus Schilf. Es war ein ganz seltsames weiches, schwankendes Gefühl, darauf rumzulaufen. Die zweite Insel hatte eine ganze Menge Verkaufsstände aufgebaut und um die Leute zu unterstützen, kauften wir einen Wandbehang und eine Flöte für je ca. 5,- S/. (ca. 1,20 €). Hier hingen die Schilfrohre zum Bleichen in der Sonne und wir stellten fest, daß man das Zeug auch essen kann. Es schmeckt gar nicht mal so schlecht. Auf der dritten Insel, die die größte war (etwa 1 ½ Fußballfelder) standen auch 3 richtige Häuschen, die wohl die Schule darstellten. Jedenfalls waren da eine ganze Menge Kinder dabei, sich richtig militärisch drillen zu lassen. Wir knallten uns einfach in Schilf und beobachteten das Treiben. Auch auf dieser Insel war ein „Museum“ in einer Hütte untergebracht, in dem ausgestopfte Viecher waren. Aber das Spannendste war, den schwankenden Boden unter den Füßen zu haben und die Leute anzuschauen, wie sie an ihren Verkaufsständen, die auch auf der großen Insel waren, herumsaßen. Dann tuckerten wir wieder zurück nach Puno und schnappten uns ein Taxi, das uns zum Hotel brachte. Bernd legte sich flach und ich machte mich auf, um für seinen Magen Cola und „Pretzels“ zu besorgen. Einigermaßen erfolgreich, mit Pretzels und Cola und noch 3 Stofftäschchen im Gepäck, einer auf der Post abgeschickten Karte und wieder keinem Nasenspray kam ich eine dreiviertel Stunde später wieder ins Hotel, wo sich Bernd langsam Sorgen machte. Er war aber dann doch recht glücklich über die Pretzels. Bis zum Abendessen gammelten wir einfach ein wenig herum und bewiesen Galgenhumor ob der Tatsache, daß wir uns in einem Kühlschrank befanden der auf ganz kalt gestellt war – brrrr, das Zimmer ist auch echt wieder arschkalt! Dick eingepackt gingen wir los zum Plaza de Armas, wo das beste Lokal vor Ort sein sollte. Es sah auch ganz ok aus und wir setzten uns direkt neben einen Heizofen. Tatsächlich stand das erste Mal Cuy (Meerschweinchen) auf der Karte! Das musste ich natürlich probieren. Schade, daß Bernds Magen nicht ok war, so konnte er nicht mal von dem wirklich feinen Fleisch probieren. Es werden echt ganze Meersäue serviert – und essen tut man das mit den Pfoten. Anschließend kauften wir noch ein paar „Pretzels“ und gingen dann ins Bettele.

Mi. 3.9. 2003

Diese Nacht hat die Ceviche offenbar mich erwischt; allerdings genau andersrum als bei Bernd. Die Ceviche verhinderte, daß das Meerschwein weiter als bis zum Magen kam. Das Tier lag mir die ganze Nacht schwer im Magen. Morgens ging‘s dann einigermaßen und wir standen um 7 Uhr auf, ließen uns zum Bahnhof fahren und stiegen in einen absoluten Luxus-Zug. So habe ich mir immer die Wild-West-Luxusklasse vorgestellt. Ohrensessel, Tischchen mit Deckchen und Stehlämpchen – echt kitschig. Allerdings war der Zug oder besser das Abteil vollgestopft mit lauter Deutschen, oder zumindest deutschsprachigen – man glaubt gar nicht, dass man in Peru ist…

In 10 Minuten soll es losgehen. Wir sind äußerst gespannt, ob die Landschaft wirklich so toll ist.

Sie ist es! Zuerst ging es am See entlang bis nach Juliaca. Dort fuhren wir mitten durchs Nest, direkt durch den Markt, echt witzig. Dann ging es leicht aber stetig bergauf durch das immer schmäler werdende Altiplano, bis wir kurz nach dem Mittagessen, welches immerhin im Preis inbegriffen war, den Paß El Reyes auf 4319m erreichten. Dort war eine große Verkaufsshow geboten. Massenweise Indígenas wollten alles mögliche verkaufen, von Pullovern über Mützen zu Hausschuhen und Fotos mit einem Lamajungen. Wir zogen es vor, noch ein paar Meter höher zu gehen bis zu einem Schild an der Straße, welches besagte, daß wir 4338m hoch seine. Zum Glück hatten wir uns akklimatisiert und so macht e uns die Höhe so gut wie nichts aus. Ganz im Gegensatz zu einer Oma aus der Reisegruppe, die hier lauthals den Zug bevölkert. Aber die Zugangestellten hatten mit Sauerstoff vorgesorgt. Überhaupt achteten die Leute unheimlich darauf, daß keiner abhanden kam. Trotzdem blieben anscheinend zwei Peruaner zurück und versuchten, dem Zug nachzurennen aber ohne Erfolg, was für große Aufregung in der deutschen Reisegruppe sorgte (ziemlich nervig!)

Man ist hier ohnehin ganz schön isoliert und kommt sich fast vor wie im Kino, wenn da nicht der Panoramawagen wäre, der -am hinteren Ende offen- wirklich tolle Blicke ermöglicht. Wir sahen Unmengen von Lamas, einige große Raubvögel, viele kleine Lehmhüttendörfer, grandiose Berglandschaften mit Eisriesen von über 5000m und stark mäandernde Flüsse, von denen einer, der uns lange begleitete, der Urubamba war, der immer breiter wurde. Der tiefste Punkt der Reise ging bis auf 3200m hinunter, in dieser Gegend wuchsen riesenhafte Agaven und es waren im Gegensatz zu den höher gelegenen Streckenabschnitten auch wieder mehr Kühe, Schafe, Schweine und Esel auf den Weiden, anstatt der Lamas und Alpakas. Die erinnern übrigens ziemlich an Kängurus, so wie die schauen und mit den Ohren spielen.

Gegen 18 Uhr trafen wir halbwegs pünktlich in Cuzco ein und erfuhren mal wieder den Touri-Schock. Kaum kamen wir aus dem gut abgeschirmten Bahnhof heraus, wurden wir auch schon belagert. „Taxi, Hotel, Taxi“. Wir suchten uns einen der Taxifahrer aus der Menge aus und folgten ihm zu seinem Taxi. Allerdings folge uns noch einer und der war angeblich einer vom Tourismus-Office und quasselte uns voll. Eigentlich war er uns nicht ganz geheuer, aber was sollten wir machen. Wir fuhren zu dem von uns ausgesuchten Hotel und ich ging hinein und fragte nach einem Zimmer – der Touri-Office-Typ mir immer auf den Fersen! Das erste Zimmer hatte zwei getrennte Betten, das zweite war recht kalt, daher entschied ich, dass wir doch das erste nehmen und der Touri-Office-Typ ging raus und holte Bernd, der inzwischen mit dem Taxifahrer einmal um den Block gefahren war. Als Bernd mit dem Gepäck kam, ging alles ziemlich schnell. Wir wurden in ein ganz anderes Zimmer oben auf dem Dach verfrachtet, welches durchaus schöner war. Dann setzten wir uns mit dem Touri-Office-Typ in das Dachrestaurant und er laberte uns fast eine Stunde lang voll, daß er den Inkatrail von verschiedenen Anbietern hätte und einen special Price machen könnte – haha. Das interessante daran war, den Tourverlauf überhaupt mal zu hören, das bescheuerte war einerseits dieser Nervkopf und andererseits die Tatsache, daß der Standard-Tourverlauf am 2. Tag vorsieht, 1200m aufzusteigen und 700m abzusteigen und das auf 4200m Höhe! Dabei ist der erste Tag lediglich ein paar Stündchen zu gehen. Tolle Planung. Aber angeblich machen das alle so. Ach und außerdem hätte er noch Urwaldtrips und Stadtausflüge und Pisaq im Angebot. Man sah richtig die Dollarzeichen in seinen Augäpfeln blinken. Irgendwann hatten wir ihn endlich los und machten uns auf in die Stadt zum Abendessen. Allerdings mußten wir vorher noch unbedingt ausprobieren, ob die Telefonnummer geht, die uns der Touri-Info-Typ aufdrängte, und der Taxifahrer kam auch noch und auch seine Telefonnummer mußten wir notieren. Ein elender Nepper-Schlepper-Haufen hier. Aber immerhin ist Cuzco Stadt genug, daß man hier ein Nasenspray bekommt. An der Plaza de Armas, dem zentralen Platz in Cuzco, gesäumt von zwei Kirchen und wunderschönen Häusern mit Holzbalkonen, ging der Spießrutenlauf weiter: „Postcards, Shoecleaning, Restaurant, Internet,…“ es war unglaublich aufdringlich und unangenehm. Außerdem scheinen die Preise hier etwa doppelt so hoch wie in Puno zu sein! Wir entschieden uns – wenn schon, denn schon- für ein Grillrestaurant mit Blick auf den Platz. Bernd futterte ein exzellentes Steak und ich einen Salat und dann war ich heilfroh, daß wir gleich ins Bettele gingen – mir ging’s noch nicht besonders gut.

Do. 4.9.2003

Die Nacht war bei weitem nicht so kalt wie die paar Nächte zuvor, was wohl daran lag, dass das Zimmer sich in der Sonne aufgeheizt hatte. Wir frühstückten ein eher bescheidenes Frühstück in der Sky-Bar und duschten dann ausgiebig. Dann sortierten wir eine erste Ladung Wäsche aus, gaben die an der Rezeption ab und gingen los in die Stadt. Wieder der gleiche Speßrutenlauf! Wir kauften uns ein Boleto Turistico für 10,- US$, welches zum Eintritt in die meisten Sehenswürdigkeiten ermächtigt und gingen dann in die Touri-Sicherheitsinfo namens INDECOPI. Die haben dort eine Liste von registrierten Inkatrail-Anbietern und bei genauerer Nachfrage ein Buch mit Notizen über Beschwerden über verschiedene Veranstalter. Wir fragten bei einigen Agenturen nach, die es hier wie Sand am Meer gibt, aber zunächst wollte keine von dem Plan mit dem zweiten Tag abweichen. Die Preise bewegten sich zwischen ca. 180,- US$ und 280,- US$ pro Person für einen Gruppentrip. In einer eigentlich recht seltsamen Agentur bekamen wir das Angebot, daß wir mit dem Guide sprechen könnten, wie wir den Trip organisieren. Naja, reden schadet ja nix. Wir gingen solange ins Café Inka und tranken zwei Coca-Tee. Als der Guide dann da war, hatten wir eine längere Diskussion mit ihm, bis wir dann endlich ein Angebot hatten, das unseren Vorstellungen entsprach: genauer gesagt, der erste Tag wird der härteste mit ca. 1200m Anstieg. Der zweite der leichteste mit ca. 500m Anstieg und 500m Abstieg und den Rest legen wir zusammen mit der Gruppe zurück. Das Ganze soll 620,- US$ für beide inkl. extra Träger für unser Gepäck kosten. In der nächsten Agentur – die, die uns auch der Typ von gestern abend genannt hatte – verhandelten wir von vornherein auf diese Art: Wir wollen keine ganz freie Tour (ca. 580,- US$ pro Person), sondern nur den ersten Tag abwandeln. Und siehe da, auch hier wäre es möglich, allerdings nicht ab km 88, wie in dem anderen Laden, sondern mit der Gruppe los und am Abend der ersten Tages noch 3 Std. weiter – aber immerhin für einen Preis von 600,- US$. Das klang alles schon mal viel besser als gestern abend und wir fragten noch schnell in der INDECOPI nach, ob die „Peruvian Highland Trek“ schon Beschwerden kassiert haben – Ergebnis: eine. Naja. Wir sinnierten über diese Angebote nach und setzten uns dazu ins Café Bagdad, bei einer Suppe und einer Pizza. Wir kamen zu dem Schluß, das wir das erste Angebot wollen und gingen dorthin. Die Frau, die uns das Angebot gemacht hatte, war gerade nicht da und keiner sprach englisch, hmpf. Wir erklärten der anderen Angestellten, daß sie die andere anrufen soll und das tat sie auch brav. Die kam dann auch wirklich fünf Minuten später an und wir fixten den Trail für 600,- US$. Außerdem bestellten wir ein Zimmer in Aguas Calientes für die letzte Nacht. Mit unserem Reservierungszettel in der Tasche machten wir uns dann auf zu den Sehenswürdigkeiten Cuzcos. Das Museum für Kunst war nicht ganz nach unserem Geschmack ganz im Gegensatz zur Kathedrale – ich habe noch nie so einen Prunk gesehen! In diesem Ding ist alles, was gut und teuer ist: über und über mit Gold beladen, ein ganz aus Silber gemachter Altar, wunderschöne Holzschnitzereien und massenweise Riesenbilder z.T. nach Vorbildern von Rubens und Rafael gearbeitet – echt Wahnsinn! Noch keine Kirche, die ich bisher gesehen habe, war so überladen mit Prunk und Glamour, wie diese Kathedrale. Außerdem guckten wir uns noch die Iglesia Santo Domingo an, die in einem Palazzo von Pizzaro integriert ist. Dort gibt es einen bunten Mischmasch aus Inka-Mauern darübergebauten spanischen Bauten zu sehen. Diese Inka-Mauern sind schon echt beeindruckend. Sie passen wirklich fugenlos zusammen und halten ohne Mörtel, weil sie unheimlich clever verkeilt sind. Nach dem Palazzo holten wir an einem Cash-Point noch schnell ein paar Dollar und gingen dann ins Hotel zurück, um ein bißchen zu gammeln. Ich fühlte mich immer noch nicht ganz gesund, weshalb wir unterwegs noch in einer Apotheke etwas „contra la tos“ besorgten. Die Codipront, die es hier offenbar ganz ohne Rezept gibt, lehnten wir aber dankend ab und entschieden uns für einfach Husenbonbons mit Menthol. Ist vielleicht doch sinnvoller als die Coca-Kaudrops, die wir im Palazzo erstanden hatten. Wir wollten ja vorgesorgt haben für den Trail J. Jedenfalls gammelten wir 2 Std. im Hotel bis um 19 Uhr der Office-Typ kommen wollte. Der kam auch tatsächlich und nahm zähneknirschend zur Kenntnis, daß wir anderweitig gebucht hatten. Bernd verklickerte ihm außerdem, daß wir auch nicht wissen, ob wir überhaupt einen Dschungel-Trip machen wollen und klärte auch noch mit der Rezeptionsfrau, daß wir ordentlich bezahlt haben. Diesen Office-Typ-Burschen waren wir also los und so zogen wir wieder Richtung Plaza de Armas, um mal wieder ein Lebenszeichen loszuwerden. Zu diesem Zweck gingen wir in ein Cybercafe, für das wir irgendwann einen Getränkegutschein erhalten hatten. Blöderweise gilt der aber blß in der zugehörigen Disco, grmpf. Trotzdem nahmen wir zwei Pisco Sour, fragten Mails ab und schrieben auch welche. Dann gingen wir noch zu einer berühmten Inka-Mauer mit bis zu 12-eckigen riesigen Steinen. Dort war abends zwar nicht wirklich wenig aber weniger los als tagsüber. Echt immer wieder beeindruckend, diese fugenlosen Mauern! Danach beschlossen wir, heute kein Abendessen zu nehmen, sondern lieber in einem Supermarkt ein paar Müsli- und Powerriegel (letztere pro Stück 10,- S/. ca. 2,5 €) zu kaufen. Hier in Cuzco gibt es tatsächlich einen Supermarkt bzw. mehrere! Nach dem Einkaufen gingen wir gleich wieder ins Bettele.

Fr. 5.9.2003

Diesmal wollten wir zum Frühstück in die Stadt gehen. Als wir nachunten kamen, stand die Frau vom Reisebüro da und teilte uns mit, daß das Zugticket nicht zu bekommen sei und wir schon heute abend zu km82 fahren könnten, um dann morgen schon langsam vorauszugehen. Die Gute hatte noch immer nicht begriffen, um was es uns geht! Wir erklärten ihr nochmals, daß wir die Ruinen bei Llaqtapata sehen wollen und daß wir die Nacht nicht in Wayllabanba verbringen möchten! Andernfalls müssten wir leider den Trip canceln. Mal sehen, ob das zieht! Sie wollte sich kümmern und wir gingen solange frühstücken in das Internetcafe von gestern abend. Und siehe da, es war auch eine Antwort von Dani, unserer Katzensitterin da, daß alles ok sei – wunderbar. Mit dem Frühstück hatten wir wie unsere fast letzten Soles ausgegeben und wir mussten dringend für Geldnachschub sorgen. Allerdings gingen wir vorher nochmal ins Reisebüro und erfuhren, daß jetzt doch alles klappt und wir unseren Guide halte erst bei km 88 treffen werden, aber sonst ist alles ok. Na prima – was ein bißchen Druck doch ausmacht! Das einzige Ungewisse ist jetzt noch Bernds Kreuz, das seit gestern irgendwie motzt…

Deshalb gestalteten wir den heutigen Besichtigungstag etwas harmloser und machten lediglich einen kleinen Stadtrundgang. In der Universität gab es ein kleines Museum mit ausgestopften Tieren zu sehen (u.a. auch ein Kondor). Ein Inkamuseum, das nicht im Boleto Turistico enthalten war, und für das die Tante am Eingang 2,- US$ wollte, ließen wir aus und stattdessen schlappten wir durch das „Künstlerviertel“, welches uns ausgesprochen gut gefiel. Wir fragten –eigentlich just for fun- in einem schönen Hotel mit Inkamauern, ob die vom 10.-12. ein Zimmer frei hätten und guckten uns eines an – echt schön! Und der Preis von 50,- US$ war durchaus angemessen. Wir dachten kurz in einem hübschen Café an der Ecke darüber nach, verpulverten unsere allerletzten 9 Soles und entschlossen uns, den „Palacio Tupac Yumanqui“ zu reservieren. Dann war es Zeit, in die Messe zu gehen. Die Jesuiten-Kirche hat nämlich nur bei Veranstaltungen geöffnet und die wollten wir uns anschauen (im Künstlerviertel hatten wir noch die Kirche St. Blas gesehen, mit einer wunderschön geschnitzten Kanzel). Wir wurden an der Tür äußerst aggressiv von Bettlern und „Spendensammlern“ angegangen, bis wir endlich drin waren. Innen nahmen wir noch am Rest der Mittagsmesse teil, das Abendmahl verkniffen wir uns aber (der Pfaffe hatte schließlich ins Mikrofon gerülpst) und als alle Leute aufbrachen, konnten wir nach vorne gehen und uns den Prunk der dem in der Kathedrale sehr ähnlich war, auch noch ansehen. Anschließend brauchten wir aber endgültig dringend Geld! Wir suchten uns eine Bank und nach dem dritten Versuch stellte ich fest, daß meine Visakarte tatsächlich im August abgelaufen war – soweit war’s ja noch lustig… Als sich aber herausstellte, daß meine Nummer für die Eurocard falsch war, wurde Bernd ziemlich stinkig. Somit hatte ich noch eine Wahl – die EC-Karte. Um die aber aus meinem Beutel zu holen, gingen wir lieber ins Hotel; auf der Straße geht’s hier nämlich zu wie am Plärrer! Dafür zog ich dann auch alleine los und war erfolgreich – wenn auch nur für die üblichen 500,- S/., die man mit der EC-Karte bekommen kann.

Dann begannen wir, unseren Kram zu sortieren und in Bernds Rucksack alle die Sachen zu packen, die wir auf dem Trail nicht brauchen und in meinen Rucksack unsere Trail-Ausrüstung. Dann duschten wir noch ein letztes Mal und brachten dann den Krempel-Rucksack in das neue Hotel und zahlten auch gleich etwas für das Zimmer an. Dann wollten wir uns eigentlich ein Restaurant suchen aber die machen frühestens um 18 Uhr auf und wir hatten erst 17 Uhr. Deshalb setzten wir uns in eine hübsche Kneipe, die sehr stark an den früheren Hemdendienst erinnerte – nur etwas gepflegter. Die Atmosphäre war klasse, obwohl wir um die Zeit die einzigen Gäste waren und nur zwei ziemlich tuntige Jungs und ein Mädel herumsprangen. Wir tranken einen Pisco-Sour und futterten sehr gute Chicken-Wings mit Blue-Cheese-Soße. Diese Seite Perus gibt es also auch: Ganz ohne Tradition und richtig modern und gepflegt. Bernd wollte trotz der Chicken Wings noch richtig essen gehen und so gingen wir in eine gemütliche Kneipe und überfraßen uns mit einer Avocado, einer Suppe und einem sehr guten Alpaka-Spieß. Dann waren wir aber auch schon etwas zu spät dran, um pünktlich um sieben im Reisebüro zum Briefing zu erscheinen. Das machte aber quasi nichts, weil es sowieso jeweils einzeln abzulaufen schien. Außer uns war nur noch eine Frau da, Claudia, die die ganze Tour von Anfang an erzählt bekam. Für uns war an sich nichts neues dabei; erst im Anschluß bekamen wir unsere spezifischen Infos: Wir werden morgen zwischen 5.45 und 6 Uhr abgeholt und in den Zug verfrachtet. Unser Guide, Karolina, und 2 Träger, Vicente und Jesus, warten bei km88 auf uns und dann geht’s los. Wir bekamen noch eine Taschenlampe geliehen und dann kauften wir uns noch ein wenig Frühstück für morgen ein. An sich war alles vorbereitet und wir wollten früh schlafen aber zwei blöde Kinder machten uns einen Strich durch die Rechnung, weil sie meinten, direkt vor unserer Tür quieken zu müssen. Von Bernds Bitte, woanders hinzugehen hielten sie offenbar nicht viel und so hielt das Gebrüll vier Stunden lang mit wechselnder Lautstärke an. Zwischendrin ließen wir beide uns das viel zu reichliche Abendessen noch mal durch den Kopf gehen. Und kaum waren die beiden Bälger nach einem kurzen Schreikrampf von Bernd dann doch abgezogen, fing plötzlich irgendwo jemand an in Disco-Lautstärke seinen Geburtstag zu feiern – wieder nix schlafen. Eicht die ideale Vorbereitung für den Inka-Trail.

Trotzdem standen wir natürlich am

Sa. 6.9.2003

pünktlich um halb sechs auf und gingen nach unten. Das Timing war perfekt, die Frau klopfte genau in dem Moment an die Tür als wir ankamen. Wir stiegen ins Taxi, fuhren zum Bahnhof und warteten kurz bei einem Coca-Tee und einem Kaffee bis wir in den Zug stiegen und von der Reiseagenturtante nochmal angewiesen wurden, auch ja richtig auszusteigen. Unser Eintrittsticket werde erst von einem Boy 40min nach uns mit dem nächsten Zug ankommen; solange könnten wir frühstücken. Naja, mal sehen. Wir fuhren auf der recht abenteuerlichen Zugtrasse, die -immer wieder über Weichen umgeleitet- vorwärts und rückwärts im Zickzack den Berg hinaufführte. Nach gut 2 Stunden waren wir bei km88 angekommen und trafen Karolina und Jesus. Letzterer schnallte sich zu unserem Rucksack noch einen zweiten mit auf den Buckel – Wahnsinn. Tja und dann kam es wie es kommen musste: Unser Ticket war nicht im Zug. Zunächst versuchte Karolina die Herren Parkwächter milde zu stimmen und uns schon mal vorgehen zu lassen. Es sah auch erst mal so aus, als ob es klappen würde und wir stapften also gegen 10.30 Uhr los auf den Inkatrail! Aber wir kamen nicht weit; nach ca. 500m holten uns zwei Parkwächter ein, die verlangten, daß wir jetzt wieder zurückgehen sollten und auf das Ticket warten sollten. Es gab ein langes Palaver, mit teils Aggression, teils spanisch-radebrechendem Gejammer und schließlich ließ sich einer der inzwischen auch noch herbeigerufenen zwei Polizisten erweichen und sie ließen uns gehen. Wir sollten schon mal zu zweit vorausgehen und die beiden Träger und die Guidin würden uns bald mit dem Ticket und unseren Pässen folgen. Spätestens in Wayllabamba bräuchten wir die wieder, weil da ein Kontrollpunkt ist. Bis dahin sollten wir gehen und dann sind entweder die Tickets da oder wir sollten umdrehen und das unbedingt versprechen – ja, natürlich! Also schlappten wir ganz alleine los und passierten die Ruinen von Llactapata, die hauptsächlich aus Terrassen bestanden. Kurz danach ging es ziemlich steil, aber nicht lange, bergauf bis zu einem schönen Flußtal, welches wir dann entlanggingen. An der Anhöhe hatte uns Jesus mit den beiden Rucksäcken auf dem Buckel eingeholt und ging mit uns weiter, bisher waren keine Tickets da… Trotzdem genossen wir den wunderschönen Weg. Immer wieder wurden wir von Leuten mit Packpferden oder –eseln überholt und auch unser „Packesel“ machten einen wahnsinnigen Schritt! Die Leute sind echt irre durchtrainiert. Wir stiegen gut 1 ½ Stunden bis zu einer kleinen Hütte mit Sitzgelegenheiten davor. Dort zauberte unser „Träger-Guide“ ein Mittagessen aus Tomatensuppe, Spaghetti und Mate de Coca und stellte sich also auch noch als Koch heraus – nicht schlecht! Nach dem Essen kamen zwei Parkwächter des Weges, die Jesus nach dem Verbleib unserer Tickets fragte. Die Jungs funkten ganz wild herum und alles schien sich zum Guten zu wenden, bis auf das Wetter: Es fing an zu tröpfeln und außerdem war es saukalt, was die Moskitos nicht davon abhielt, uns aufzufressen.

Bueno! Gerade erfuhren wir, daß Karolina in etwa 20min mit unseren Tickets da sein wird – klasse! Tatsächlich kam sie nach 20min an und wir gingen dann auch 10min später alle weiter. Bis Wayllabamba war es gerade noch eine halbe Stunde. Rechts und links schwirrten Kolibris in den Blüten und endlich konnten wir die Tour so richtig genießen. Kurz nach Wayllabamba (schon im Dorf ging es gewaltig den Berg hoch) war ein Kontrollposten – wieder Palaver – aber diesmal ging es gleich erfolgreich zu Ende und wir stapften weiter. Nach ca. 1 Stunde erreichten wir Trois Piedras Blancas. Und dann ging die Schinderei los! Der Weg wurde steil und war größtenteils eine Treppe. Aber es war traumhaft schön mitten durch den Nebelwald zu laufen. Überall hingen Flechten von den Bäumen, Kolibris schwirrten herum (auf Spanisch übrigens Picaflores – Blütenpicker) – es war einfach schön! Außerdem waren wir ganz alleine nur mit unseren zwei Portern und Karolina unterwegs. Als es langsam duster wurde bogen wir ganz unverhofft vom Weg ab auf einen Zeltplatz, wo schon das Igluzelt stand und Vicente dabei war, das „Küchenzelt“ aufzubauen. Wir waren gar nicht böse, daß der Zeltplatz etwa 10 Min vor Llulluchapampa lag und zogen uns als erstes trockene Klamotten an. Brrr ist das kalt! Wir packten uns ganz dick ein aber trotzdem erfaßte uns die Kälte gnadenlos.

Aber der Platz war traumhaft schön. Im Hintergrund leuchteten die schneebedeckten Gipfel glutrot in der Abendsonne und um uns herum wurde es mitten im Urwald immer dunkler. Langsam kamen die Sterne zum Vorschein. Wir glaubten das ein oder andere Sternbild zu erkennen aber es waren nicht ganz so viele Sterne zu sehen weil der Mond -inzwischen dreiviertel voll- zu hell strahlte. Auf dem Zeltplatz war es auch fast taghell – aber arschkalt! Die Gasflasche mit der das Wasser gekocht wurde, hatte eine vereiste Schicht am Boden. Wir hatten sicher Minusgrade. In dieser Umgebung zauberten die beiden Jungs ein nahezu perfektes Abendessen mit einer schönen warmen Suppe, einem Stück Hähnchen, gebratenen Bananen, Reis und sogar einem warmen Nachtisch – echt klasse! Während des Essens quatschten wir mit Karolina. Sie hatte „Guide“ sowas wie studiert -3 Jahre lang- und ist nun seit 2 Monaten tatsächlich unterwegs.

Unmittelbar nach dem Essen gingen wir gleich ins Zelt. Oh mein Gott war das kalt! Die Schlafsäcke haben angeblich einen Komfortbereich bis 0°. Also entweder es ist deutlich kälter oder die Dinger sind Mist oder wir sind Weicheier – vermutlich alles drei!

So. 7.6.2003

Um sieben war die Nacht vorbei aber sehr viel geschlafen haben wir nicht – wir sind zu alt für diesen Scheiß! Aber kaum blickte die Sonne über die Hügel, verstanden wir wieder den Sonnenkult und setzten uns in die herrlich wärmenden Strahlen. Zum Frühstück gab es eine Art Haferbrei – warm; das war auch nötig. Kurz nach acht brachen wir auf zum ausgesprochen anstrengenden Anstieg auf den „Paß der toten Frau“. Halbtot fühlte ich mich tatsächlich als wir nach rund 2 ½ Stunden oben waren. Es war wirklich eine ganz schöne Strapaze, insbesondere die letzten 50m auf dieser Höhe von über 4200m. Aber der Blick entschädigte für einiges. Auf beiden Seiten taten sich tiefe Täler auf mit Berggipfeln z.T. im Schnee z.T. bis obenhin grün bewachsen – echt grandios! Hier schleppten sich auch eine ganze Menge Leute außer uns hoch. Die Gruppe, zu der wir stoßen werden, trafen wir ebenfalls auf dem Paß.

Es ist nahezu unglaublich, was die Träger hier hochschleppen: Ganze Gasflaschen, Familienzelte, sogar Eier; und die rucksackartigen Gestelle aus Klappstühlen und einfachen Plastikträgern schauten abenteuerlich aus. Bernd hob mal kurz die Rucksackkonstruktion von Jesus an und stellte fest, daß das mit Sicherheit 25kg sind – Puh! Demgegenüber stehen so idiotische Touris, die hier irgendwelche Wettrennen veranstalten und dann am Paß mit Muskelkrämpfen ankommen, sich aber erst mal eine Kippe anzünden. Naja, an sich muss es uns ja nicht stören. Wir genossen die Aussicht und brachen dann irgendwann auf in Richtung des nächsten Campingplatzes. Es ging etwas mehr als eine Stunde steil bergab über Treppen und Steine und dann waren wir an einem Platz mit Duschen und Toiletten angelangt, wo auch schon die Zelte standen. Wir packten unser Zeug in das Zelt und hängten die immer noch nassen Klamotten von gestern in einen Baum. Kurz darauf gab es auch schon Mittagessen. Unsere gefühlt riesige Gruppe, bestehend aus lauter sehr jungen Leuten, quetschte sich in ein „Speisezelt“, das eigentlich für 8 Leute gedacht war. Aber das Essen war wieder sehr gut, diesmal mit viel Salat. Im Anschluß gab es eine Vorstellungsrunde: Zuerst stellten sich die Porter vor, was ziemlich interessant war. Der jüngste ist 20 und macht das seit einem halben Jahr und der älteste ist 62 und arbeitet seit 2 Jahren als Träger. Es sind aber auch welche dabei, die das Ganze seit 6 oder gar 12 Jahren machen – erstaunlich. Dann wurde die Reisegruppe vorgestellt. Zwei Leute reisen für 3 bzw. 12 Monate in der Gegend herum und der Rest sind viele Studis. Ein paar Australier, Schweizer, Engländer und auch ein Norweger sind dabei – die meisten unter 25. Ich denke nicht, dass wir viel mit denen zu tun haben werden. Nach dieser Runde verkrochen wir uns ins Zelt und prompt fing es an zu regnen – na dann halt gute Nacht!

Wirklich an Schlafen war nicht zu denken aber immerhin gingen wir dem Regen aus dem Weg. Nach knapp zwei Stunden war Teatime und kurz danach schon wieder Abendessen (chinesisch). Wir kamen kurz mit ein paar Australiern ins Gespräch und bald nach dem Essen gingen wir schon wieder ins Zelt. Es war zwar entschieden wärmer als gestern nacht, aber trotzdem war es kalt – besonders auf der einen Seite des Zelts, die blöderweise auch noch abschüssig war. So wechselten wir in der Nacht zweimal den Platz, damit nicht einer besonders zu leiden hätte. Aber viel half es nicht: wir konnten beide nur schlecht schlafen – ich bin zu alt für diesen Scheiß!

Mo. 8.9.2003

Nett war es, daß wir um 6 Uhr mit heißem Tee geweckt wurden. Wir packten in der Morgenkälte unseren Kram zusammen und krochen verfroren aus dem Zelt. Frühstücken und schon ging es wieder los. Als erstes erreichten wir nach nur 5 Minuten Anstieg die herrlich wärmenden Sonnenstrahlen. Langsam aber sicher entblätterten wir uns und stiegen in etwa 40min zu den Ruinen von Runkuraqay auf. Dort erzählte uns Miguel einiges über die Bedeutung des Streckenpostens, Flora, Fauna und das Weltbild der Quetchuas. Anschließend ging es nochmal eine Stunde zackig bergauf bis zum zweiten Paß auf 3900m. Kurze Rast – und dann folgte wieder ein relativ steiler Abstieg bis zu den Ruinen von Sayaqmarca. Dort gab es wieder eine Info von Miguel – für Bernds Geschmack deutlich zu esoterisch, aber die Ruinen waren ganz nett. Ein 20min Marsch später sollte der Platz fürs Mittagessen sein. Unterwegs guckten wir uns noch einen Versorgungsposten an, der überhaupt nicht touristisch war. Das Ding erinnerte stark an Palenque, besonders weil es mitten im Nebelwald lag. Die Mittagspause in der Sonne war äußerst angenehm. Danach folgte ein etwas unangenehmer, weil unerwarteter, Aufstieg bis zu einem traumhaft schönen Höhenweg. Mitten durch den Nebelwald – immer wieder mit wunderschönen Ausblicken auf die Berge und Täler. So ging es mit geringfügigen Steigungen bis zum 3. Paß auf 3600m und da hatten wir auch den ersten Blick auf die Berge von Machu Picchu – wir haben es tatsächlich geschafft: wir stehen mitten in Peru einen Halbtagesmarsch von Machu Picchu entfernt – unglaublich! Kurz nach dem Paß lagen die Ruinen von Pataymarca, wo wir nochmal vom Guide eine Info bekamen und dann begann das schlimmste Stück! Es ging auf kürzestem Weg 1000 Höhenmeter nach unten über ca. 1279 Stufen (ich hab gezählt). Es nahm einfach kein Ende! Der Wald außenrum war zwar sehr schön aber diese Stufen! Fast zwei Stunden stiegen wir so hinunter bis Wiñawayna. Es war eine einzige Tortur für die Gelenke! Auf dem Campingplatz angekommen erfuhren wir, daß wir für 40,- S/./Person in einem richtigen Bett schlafen könnten und auch heiß duschen könnten – wunderbar! Wir genehmigten uns auf der Terrasse 2 Bier und schon war auch unser Gepäck im Zimmer – ein Stockbettenschlafsaal für 8 Personen aber immerhin ein Bett! Dann unternahmen wir den Duschversuch! Bei den Mädels mußte ich stundenlang anstehen um dann unter einer lauwarmen Dusche den Dreck der letzten Tage abzuwaschen. Naja, angenehm ist was anderes – aber immerhin sauber. Wir setzten uns wieder auf die Terrasse und warteten auf das Abendessen, um dann bald ins Bettele zu gehen – wir müssen morgen immerhin um 4 Uhr raus!

Am Nebentisch saufen die Aussies und die Engländer um die Wette – mal sehen, wie die morgen ausschauen. Der inzwischen fast Vollmond strahlt und auf der Terrasse ist der Teufel los – überall brüllt es und tausend Leute schreien um die Wette – und das nach der Ruhe die letzten Tage…

Mo. 9.9.2003

Nicht nur auf der Terrasse, auch in diesem Irrenhaus war der Teufel los. Aber trotzdem schliefen wir in unserem Stockbett relativ schnell ein. Um 4 Uhr klingelten im Raum alle 5 Wecker und wir schälten uns aus den Federn. Gleich nach dem letzten Frühstück brachen wir auf. Jesus, dem wir noch 5,- $ Trinkgeld in die Hand drückten, brachte unseren Rucksack in ein Restaurant in Aguas Calientes und wir sammelten noch ein paar Tips für die Träger ein und gaben den Erlös dem Chefträger. Dann ging’s los zur letzten Etappe. Wir tappten gegen 5 Uhr im Dunkeln los. Der Weg war unangenehm zu gehen solange es dunkel war und die Taschenlampen blendeten. Es zog eine einzige lange Karawane den Pfad entlang und langsam wurde es hell. Unter uns hingen Nebelschwaden im Wald und jeder war ungeduldig, endlich nach Machu Picchu zu kommen. Daher war das Tempo auch ziemlich flott und nach etwa einer Stunde und etliche Stufen später erreichten wir das Sonnentor. Wir hatten es tatsächlich geschafft! Machu Picchu lag vor uns – zwar noch unter einer Nebeldecke aber es war da! Ein unglaubliches Gefühl! Wir gingen das letzte Stück des Weges (etwa ½ Stunde) langsam und immer wieder Ausblick suchend Richtung Mirador – dem Aussichtspunkt schlechthin und die Stadt enthüllte sich langsam. Der Nebel verzog sich, die Sonne stieg über die Berggipfel und es entstand ein atemberaubender Anblick. Wir saßen bestimmt eine Stunde da und bestaunten, wie die Stadt Machu Picchu sich aus den Wolken schälte. Außer uns waren natürlich auch noch hunderte anderer Individualisten da aber es störte bisher nicht übermäßig. Nach einiger Zeit trieb Miguel seine Schäfchen zusammen und wir trafen uns in einer Kneipe, wo es einen Cheeseburger zum Frühstück gab. Der chaotische Ecuadorianer schubste aus Versehen einen kleinen Hund von der Brüstung des Lokals – armer Kerl (ist aber nix passiert). Nach der Frühstückspause ging es los auf Besichtigungstour. Miguel machte einen großen Rundgang mit uns allen und erklärte einige Besonderheiten, wie z.B. einen unscheinbaren Stein, der das Sternbild des Lamas nachbildete. Wir kamen auch am Einstieg zum Aufstieg auf den „Hausberg“ Waynapicchu vorbei aber ob der Tatsache, daß man laut Reiseführer absolut schwindelfrei sein muß und weil ich auch Blasen und Muskelkater hatte, verweigerte ich den Aufstieg (auch wenn es Bernd ziemlich juckte). Nach dem gemeinsamen Rundgang bekamen wir noch je einen Mundvoll Cocablätter und dann hatten wir „freie Zeit“. Wir legten uns auf eine Wiese und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Mittlerweile wurde es immer voller – echter Massentourismus. Und die scheinen so ziemlich alles hier heraufzukarren, inklusive Gehhilfen und Rollstühle. Aber trotzdem ist diese Festung hier unglaublich beeindruckend. Wir marschierten noch einmal komplett durch den Komplex und als es uns dann reichte setzten wir uns in die Kneipe und tranken ein Bier. Den Abstieg bewältigten wir ganz unsportlich mit dem Bus auf einer abenteuerlichen, äußerst engen weil extrem steilen Serpentinen-Schotterpiste. Von der Bushaltestelle war der Weg ins „Dorfzentrum“ mit Ständen gepflastert und wir kauften uns für 10,- S/. ein T-Shirt „I survived the Inka Trail“. Dann suchten wir uns das Restaurant, in dem unser Rucksack sein sollte und trafen dort nach und nach den Rest der Mannschaft. Wir futterten ein schönes Steak und so langsam verkrümelten sich die Leute in verschiedene Züge und auch wir brachen auf. Miguel und Karolina begleiteten uns noch ganz kurz und dann verabschiedeten wir uns auch von denen und waren wieder auf uns gestellt. Es ging die Touristenstraße entlang ein ganzes Stück bergauf und dann tauchte das „La Cabaña“ auf, wo wir in ein gepflegtes Zimmer eincheckten. Nach einer kurzen Gammelpause packten wir unseren Kram zum Baden ein und machten uns auf die Socken zu den heißen Quellen. Die waren ein Stück den Fluß hinauf im Freien in ca 5 Becken gefaßt. Es gab eine Umkleidekabine und eine kleine Bar. Im Wasser tummelten sich unter anderem die Australier und wir gammelten auch ein wenig in dem schön warmen Wasser. Aber nach einer Stunde war es auch wieder genug und wir zogen uns wieder an um einen Pisco Sour trinken zu gehen. Das taten wir blöderweise in einer Touri-Pizzeria, wo es zur Happy Hour 3 für 1 geben sollte. Dummerweise verteilten sie halt den Alkohol für einen auf 3 Gläser, was dem Geschmack natürlich nicht gut tat, hmpf. Auch sonst machte das Ding einen äußerst improvisierten Eindruck. Wir teilten uns noch ein lauwarmes Bier und dann gingen wir langsam in die Kiste und schliefen volle 12 Stunden durch.

Di. 10.9.2003

Das hat gut getan! Endlich ein richtiges Bett und dazu Ruhe und nicht um 4 Uhr aufstehen. Wir standen ganz in Ruhe kurz vor 9 Uhr auf, verarzteten Bernds mittlere Zehe, die eine Blutblase unter dem Nagel hatte und gingen dann zum gar nicht mal so guten Frühstück. Danach suchten wir uns die am wenigsten stinkigen Klamotten und packten die restlichen in den Rucksack – es wird Zeit, daß wir waschen lassen. Eigentlich würde es reichen, die Sachen hier nach draußen zu stellen – es pißt nämlich in Strömen! Aber zuerst ließen wir uns von der warmen Dusche bepißen um dann den Tag bis 16.20 Uhr (da soll der Zug fahren) totzuschlagen. Wir schlugen den Tag ganz erfolgreich tot: Zuerst tappten wir durch den Regen in ein Internet Café und gaben Überlebenszeichen ab. Dann hörte es auch auf zu schütten. Wir orientierten uns im Kaff, suchten den kürzesten Weg zum Bahnhof, kauften ein Bier-T-Shirt für Bernd und gingen mittags in ein peruanisch-französisches Lokal, wo wir sehr gute Forellen futterten. Dann latschten wir wieder etwas in eine Bar auf einen Mate de Coca und dann war es auch schon Zeit, den Rucksack zu holen und zum Bahnhof zu gehen. Der Zug fuhr auch bald ab und wir tuckerten in knapp 4 Stunden nach Cuzco, schnappten uns ein Taxi mit unseren Preisvorstellungen (= 3 statt 6 Soles) und checkten im Hotel ein. Dort packten wir noch zwei Tüten mit stinkiger Wäsche und gingen dann gleich ins Bettele.

Mi. 11.9.2003

Was für eine Ruhe! Man hört hier im Hotel überhaupt nichts von dem hektisch hupenden Verkehr in dieser Stadt. Außerdem hatten wir einen Radiator im Zimmer und eine warme Dusche. Wir schliefen wieder volle 12 Stunden durch und standen knapp vor 9 Uhr auf. Fast etwas sehr knapp fürs Frühstück, bei dem der Fernseher mit lauter Berichten über Trauerfeiern zum 11. September lief. Es ist also nichts allzu wesentlich neues passiert in den letzten zwei Wochen. Nach dem Frühstück duschten wir ausgiebig und machten uns dann auf die Kultur-Socken. Ein Museum kurz nach dem Frühstück schadet nie und daher guckten wir uns eine ganze Menge alter Schinken an. Alle hatten höchst religiöse Motive. Das interessanteste war ein Bild von der wunderbaren Erschaffung der Tiere: Ein Elefant hatte ein Gesicht wie Genscher! Ansonsten war mal wieder das Gebäude schöner als die Bilder.

Daraufhin gingen wir in Richtung des Internet Cafés, das wir schon gut kannten und buchten im dortigen Reisebüro einen Flug für morgen 11.15 Uhr nach Arequipa, was für 44,- US$ pro Person völlig problemlos ging. Dann checkten wir wieder mal emails und tranken noch einen Kaffee und Tee und dann ging‘s auf nach Saqsaywaman, einem Ruinenkomplex etwas oberhalb von Cuzco. Wir stiegen knapp eine halbe Stunde über TREPPEN (!) auf und standen dann vor gewaltigen Inkamauern (unterwegs hatte ich mir blaue Ohrstecker für 11 S/. gekauft). Die Mauern –in Dreierreihen angeordnet- waren irre beeindruckend. Wie zum Teufel haben die Herren Inka die Dinger bewegt? 2000 Mann können doch nicht gleichzeitig einen Stein anheben! Auch sonst war die Anlage, in der im Juni das große Inti-Raymi-Fest stattfindet echt interessant. Eine Felsformation, ganz glatt geschliffen von einem Gletscher, diente dem Herrn Inka anscheinend als Sitzplatz oder Thron. Jedenfalls waren solche Sitzgelegenheiten vorhanden.

Aber nicht genug der Kultur. Wir krallten uns für 10 S/. ein Taxi zur 5km höher gelegenen Ruinenstätte Tambomachay, wo der Inka sein Bad hatte und versuchten, von dort einen Fußweg zurück nach Saqsaywaman zu finden. Unterwegs schauten wir uns noch eine Festungsanlage (Pukapukara) an und dann gingen wir immer den Pferdeäpfeln folgend nach an der Straße entlang. Pferdespuren deshalb, weil man diese Ruinen auch alle per „Horseback riding“ abklappern kann. In einem Straßennest sahen wir im Straßengraben eine überfahrene Sau, die heftig blutete aber noch grunzte. Weil sie uns so leid tat, sagten wir in einer nahen Kneipe Bescheid, daß da ein „chucho“ überfahren worden sei, Aber die Frau in der Kneipe war zwar sichtlich berührt, konnte aber auch nix machen – arme Sau!

Wir gingen erst mal weiter die Straße entlang, fragten ein paar Jungs nach dem Weg nach unten aber die wußten auch nicht mehr. Daher schlugen wir uns querfeldein durch, weil wir uns nicht von den stinkenden Diesel-Fahrzeugen auf der Straße vergiften lassen wollten. Das Querfeldein ging steil bergab quer über eine morastige Kuh-, Lama- und Eselsweide und dann doch wieder Hufspuren nach. Bernd wurde langsam unleidlich weil hungrig. Trotzdem brachte ich ihn noch dazu, einen lohnenden Abstecher zu einem witzigen Opferplatz (?) namens Q’enguo zu bringen, wo es unterirdische Gänge gab. Außerdem schlappten wir noch an der gigantischen Jesusfigur vorbei, von deren Typ die Idioten hier auf so gut wie jedem Hausberg einer Stadt eine oder mehrere stehen haben. Die haben hier schon echt kräftig mit dem Kruzifix eins drüber gekriegt. Nach dem Jesus gingen wir wieder die Stufen (!) zur Plaza de Armas hinunter und setzten uns in ein Irish Pub um zwei Bierchen zu trinken und ein Baguette zu essen. In einem Supermarkt kauften wir Wasser, Schokolade und Cocablätter für Tee und gingen dann Richtung Hotel. Unsere Flugtickets waren tatsächlich da – im Gegensatz zu unserer Wäsche. Trotzdem packten wir schon mal die Rucksäcke und setzten uns dann in den Innenhof auf einen Pisco Sour. Inzwischen kam auch die Wäsche, so daß wir jetzt die Rucksäcke komplett packen konnten aber wie zum Henker sollten wir den ganzen Kram unterbringen? Irgendwie schafften wir das und zur „Belohnung“ gingen wir zur Abwechslung in ein anderes Irish Pub gleich ums Eck. Dort gab es zur Happy Hour für Bernd 2 Bier und für mich 2 Pisco Sour, Chips und ein paar Chicken Wings nebst einem Avocado-Palmherzen-Salat. Dann gingen wir mal wieder bald ins Bettele

Do. 12. 9.2003

Um 8.15 Uhr bimmelte der Wecker und wir verstauten auch den letzten Kram noch im Rucksack, gingen frühstücken und checkten aus. Dummerweise war der Eurocard-Automat des Hotels kaputt und wir mussten in Soles zahlen – zum Glück hatten wir ja gestern geholt. Dann organisierte der Typ von der Rezeption ein Taxi, das uns für 4,- S/. zum Flughafen bringen sollte. Dort angekommen knöpfte uns der unverschämte Kerl nochmal 2,- S/. für das Parkticket ab – hmpf. Wir waren viel zu früh da; der Schalter hatte noch nicht mal offen. Aber so konnten wir die Zeit nutzen und die Postkarten abschicken – ganz schön teuer: 4,80 S/. für eine Karte. Außerdem kostete das Flugticket noch 12,- S/. Tax pro Person. Bis der Flug losging saßen wir am Gate herum und ein Typ, Carlos, laberte mich an und wollte wohl ein bißchen quatschen (und das natürlich auf spanisch J). Dann ging aber auch schon der Flug und wir landeten schon 50min später mitten in einer extrem kargen, trockenen Berglandschaft. Dort sollte also die Stadt des ewigen Frühlings sein – von wegen. Die Temperaturen waren mit ca. 20° ja ganz nett aber gün und frühlingshaft war hier gar nix. Am Flughafen konnten wir gleich ein Hotel fixen für 30,- $ zentral am Plaza gelegen und dafür bekamen wir auch noch einen Shuttlebus umsonst. Das Hotel befand sich hinter einem völlig unscheinbaren Eingang und besteht aus einem extrem schmalen Haus. Wir sind im obersten (=5.) Stockwerk untergebracht und das Zimmer ist nicht berühmt aber ok. Wir gingen ohnehin gleich los zur Stadterkundung. Will sagen, wir latschten uns mal wieder die Füße platt. Zuerst begutachteten wir den Rio Chili, der eine ziemliche Müllbrühe ist, dann gingen wir wieder zurück zum Hauptplatz. Unterwegs guckten wir uns die ein oder andere Kirche an und versäumten auch nicht den Höhepunkt eines Stadtrundgangs in Arequipa: das Kloster Sta. Catalina. Irgendwelche Pfaffen haben im 16.Jhd. einfach eine Mauer um einen ganzen Stadtteil gezogen und diesen zum Kloster erklärt, weil die drei bereits vorhandenen Klöster in Arequipa nicht ausreichten. Vermutlich weil es Sitte war, jede zweitgeborene Tochter ins Kloster zu schicken. Jedenfalls haben die Nonnen dort völlig abgeschirmt von der Außenwelt in den alten Gebäuden über Jahrhunderte hinweg gelebt, ohne den Fortschritt draußen mitzukriegen. Erst 1970 haben die Mädels, inzwischen nur noch 35 Stück, das Kloster zur Besichtigung freigegeben. Innen schaut es aus wie vor 500 Jahren. Jede (reiche) Nonne hatte ihr eigenes Häuschen mit Schlafzimmer, Studierzimmer, Küche und manchmal auch Geiselzimmer. Zwischendrin und überall Jesusfiguren mit äußerst blutrünstigen Wunden. Eigentlich ist die Anlage ganz hübsch; Jeder „Klosterteil“ ist andersfarbig bunt getüncht und überall stehen hübsche Blumen herum, aber wenn man sich vorstellt, hier eingesperrt zu sein – nein danke!

Unser Stadtrundgang endete nach einigen Reisebüronachfragen wegen des Colca-Canyons in einer Dachterrassenkneipe mit Pisco Sour und Bierchen. Im Anschluß schlappten wir noch ein bißchen herum und suchten uns dann langsam eine Abendessenkneipe. Da die vom Reiseführer empfohlenen Kneipen alle Geschichte waren, landeten wir wieder in der Dachterrassenkneipe hinter der Kathedrale. Dort bekam endlich auch Bernd eine kleine Ratte – sprich eine Meersau, die ganz ok war aber nicht unser Leibgericht werden wird.

Als wir zum Hotel zurückgingen zog mal wieder ein Straßenumzug mit irgendwelchen kirchlichen Parolen durch die Stadt. Das scheinen die hier besonders gern zu machen, irgendwelche Festzüge. Wir gingen trotzdem bald ins Bettele und schliefen, erstaunlich ruhig und gut, weil das Bett eine recht gute Matratze hatte, bis halb zehn aus.

Sa. 13.9.2003

Damit war es zu spät für das –bestimmt ziemlich schlechte- Frühstück im Hotel. Daher gingen wir in eine Pasteleria und naschten zum Frühstück einige ganz gute süße Teilchen und einen Café con leche. Tja und dann wußten wir nicht so recht was mit der Stadt anzufangen – die Sehenswürdigkeiten hatten wir schließlich schon gesehen… Wir guckten uns nur noch eine Kirche (San Franzisco) an und dann reichte es auch langsam mit den Kirchen. Wir schlappten wieder etwas planlos durch die Stadt, fragten in einem Reisebüro nochmal wegen des Colca-Canyons an und beschlossen dann, nicht die Trekking-Tour über 3 Tage (davon 2x nachts um 2 Uhr aufstehen) zu machen, sondern nur 2 Tage ohne laufen (haben wir schließlich schon genug gemacht). Und außerdem wollten wir gleich im Anschluß aus Arequipa abhauen. Entweder nach Lima oder nach Pisco, je nachdem was möglich ist. Das jedenfalls beschlossen wir bei einem Baguette in einer Panaderia La Canasta.

Gesagt, getan; wir entschieden uns für das Reisebüro direkt neben unserem Hotel, das den besten Eindruck gemacht hatte und siehe da: Alle Möglichkeiten waren machbar. Demnach bestellten wir für 18,- US$ den Colca-Canyon für morgen und auch gleich ein Busticket mit Bett (!) für übermorgen abend nach Pisco. Dort soll es Seelöwen und Pinguine geben.. Die Aktion feierten wir auf einem Dachterrassen-Lokal bei der Iglesia San Franzisco bei einem Bierchen und mal wieder einer schönen Palta (=Avocado), bis die Sonne uns fast verbrannt hatte. Da wir ohnehin keinen Auftrag hatten, latschten wir Richtung Sonnenuntergang zu einem Mirador in einem Vorort, der eine ganz tolle Aussicht bieten sollte – Naja.

Dafür trafen wir unterwegs einen schwulen Punk, der sich Luftballons als Busen und Hintern in die Kleidung gestopft hatte und dem Bernd ganz besonders gefiel. Zum Glück ließ er sich bald abschütteln. An dem Mirador stand auch eine stark frequentierte Kirche – die haben hier echt einen „Kirchen-Schlag“. Als die Sonne fast weg war, machten wir uns auf den Rückweg. Wir kamen durch ein offenbar etwas edleres Viertel in dem eine Bill-Gates-Schule war und einige edle Villen von Erdöl-Firmen und anderen Geldköpfen.

Kurz vor Ende des Tages holten wir uns noch einen weiteren Segen ab indem wir in die älteste Kirche Arequipas gingen, die wie alle anderen gerade „in Betrieb“ war. So oft habe ich glaube ich mein ganzes Leben noch kein katholisches „Abendmahl“ gesehen, wie in diesem Urlaub. Auf dem Rückweg kaufte ich noch für 15,- S/. einen blauen Stoffrucksack und dann gingen wir ins Hotel. Achja, vorher hatte ich ja auch noch eine Flauta samt Grifftabelle und Verhütli bekommen (für 40,- S/. mal sehen, ob ich irgendwann einen Ton rausbringe). Im Hotel duschten wir in Ruhe und beschlossen dann, daß wir gar nicht mehr aus dem Haus gehen sondern lieber gleich gammeln und schlafen wollten.

So. 14.9.2003

Um 7 Uhr

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